Video Management Software

Vergleich zwischen Surveillance Station, Sighthound, Blue Iris & Co.

Eine VMS (Video Management Software) ist sinnvoll, wenn man mehrere IP Kameras besitzt (auch von unterschiedlichen Herstellern) und diese in einem einzigen Interface unterbringen möchte. Zudem kann man viele Parameter wie Bewegungserkennung, Aufnahmeprofile,… einstellen. Dazu gibt es meist eine App von der jeweiligen VMS für das Smartphone, um auch von unterwegs darauf zugreifen zu können.

Viele Hersteller bieten NVRs (Network Video Recorder), also kleine Server, die zur reinen Aufnahme von Kameras geeignet sind an. Diese haben dann eine proprietäre Software und sind stark limitiert. Deswegen habe ich einen eigenen Server gebaut, auf dem eine VMS läuft.

Auf der Suche nach einer geeigneten Software bin ich auf teils abartige Lösungen für große Unternehmen wie Flughäfen gestoßen, die speziellen Algorithmen zur Gesichter-, Nummernschild- und Verhaltenserkennung bieten. Möglichkeiten eine Person über alle Kameras hinweg automatisiert zu verfolgen gibt es, keine Überraschung, dennoch sehr abschreckend.

Da ich für solche Features aber keine Verwendung habe, habe ich mich eher auf Konsumer- bis Kleinunternehmen-Produkte fokussiert.

Ich habe die bekanntesten ausprobiert: Milestone XProtect Essential, Blue Iris, Sighthound, Xeoma, Synology Surveillance Station, iSpy, Zoneminder, Kerberos und Axxon Next.

Besonders wichtig war mir die Integration in Smart Home Hubs, sehr schnelle Ladezeiten von Livestream und Aufnahmen, sowie ein vertretbarer Preis für 8 Videostreams (4 Streams pro 360° Kamera). Optional wäre dewarping von den Kameras wünschenswert, so müssten die Kameras das nicht intern machen, sondern nur jeweils einen 360° Stream übertragen, ePTZ würde dann die VMS übernehmen.

Zoneminder, Axxon Next 4.0, Kerberos und iSpy hab ich nur sehr kurz getestet, sie waren entweder sehr unübersichtlich und unintuitiv, es war nicht möglich die Streams einzubinden oder sie haben mir einfach nicht zugesagt.

Blue Iris, Surveillance Station, Sighthound, XProtect und Xeoma habe ich ausführlich getestet:

Geschwindigkeitstest:

Ermittelt durch mehrfache Messungen (Mittelwert). Gemessen wurde vom Kaltstart der App (nicht im Hintergrund geöffnet) bis zum ersten Livebild auf einem iPhone SE.

Blue Iris: <3 sec.

Milestone XProtect: <5sec.

Surveillance Station: <6sec.

Sighthound. <11 sec.

Für die Synology Surveillance Station braucht man ein Synology NAS (Network Attached Storage). Über Synology NAS Systeme kann man sich streiten, sie sind sehr anwenderfreundlich und bieten eine große App Auswahl, haben aber auch ihren Preis. Natürlich wollte ich mir kein NAS zum testen einer Synology exklusiven App kaufen, deswegen bin ich nach kurzer Suche auf das Projekt XPEnology gestoßen. XPEnology ist eine angepasste Firmware der Synology Produkte die in einer VM (Virtuelle Maschine) laufen kann.

Surveillance Station ist ein gutes Produkt, sehr einfache Einrichtung, fixe App und viele Konfigurationsmöglichkeiten. Mit einer gekauften Synology Diskstation sind 2 Lizenzen kostenlos dabei (d.h. 2 Streams). Jede extra Lizenz kostet 50€. Für insgesamt 8 Streams 300€ + das NAS an sich, je nach Modell um die 300€, ein teurer Spaß. Zwar bietet die Surveillance Station auch dewarping für 360° Kameras an (somit wären nur 2 Streams der beiden Kameras nötig), diese sind aber nur für einige wenige herstellerspezifische Kameras verfügbar.

Wer ein Synology NAS hat oder sich eh eins kaufen möchte und 1 bis 3 Kameras hat, oder teure unterstützte 360° Kameras ist mit der Surveillance Station gut bedient.

Ein weiterer sehr erfolgsversprechende Kandidat ist Sighthound. Sighthound hat gegenüber den anderen VMSs ein sehr interessantes Feature: intelligente Objekterkennung.

Sie kann also zwischen einer Katze und einem Mensch unterscheiden (theoretisch zumindest). In der Praxis funktioniert das nur mäßig und ist stark abhängig von dem Winkel von der Kamera zum Objekt.

Zudem lassen sich Trigger für das Betreten und Verlassen bestimmter Bereiche definieren. In dem Search Fenster lässt sich gezielt nach Objekten suchen.

Sighthound läuft auf MacOs oder Windows, die App für iOS ist die langsamste in der Liste und zu langsam für den Praxiseinsatz, der automatische Wechsel zwischen WLAN(interne IP) und außerhalb(externe IP) funktioniert auch nur sehr sporadisch, generell ist die App ein bisschen buggy.

Die Einstellmöglichkeiten auf der Serverseite sind sehr eingeschränkt, dafür hat Sighthound aber eine IFTTT Anbindung, allerdings kann leider nicht die Software selbst über IFTTT getriggert werden.

Der Preis für 2 Streams beträgt $60, für unendlich viele $250.

Leider wird Sighthound nicht besonders aktiv weiterentwickelt, sonst könnte sie eine sehr gute Konkurrenz darstellen.

Xeoma bietet ein sehr innovatives Drag and Drop System mit dem sich mehrere Module für sehr komplexe Automationen verbinden lassen, wie Gesichtserkennung, PTZ Autotracking, Nummernschilderkennung und vielem mehr. Sie ist eine der vielseitigsten VMSs und läuft auf Windows, Mac, Linux, ARM und sogar Einplatinenrechner wie dem Rasperry Pi.

Dafür ist sie aber ziemlich unübersichtlich, benutzerunfreundlich und hat eine schlechte App. Die Einbindung in das Smart Home ist sehr einfach dank HTTP Trigger. Dewarping von 360° Kameras lässt sich auch realisieren.

Die Preise sind vernünftig, durch die dewarping Funktion wären nur 2 Kamera Lizenzen von Nöten, 25$ für Standard, 75$ für Pro.

Auch hier viel Potenzial, viele Funktionen, aber ein solides Grundgerüst fehlt.

XProtect Essential ist die kleinste Version der XProtect Reihe und ist für kleine Unternehmen gedacht. Die Essential Version ist kostenlos, unterstützt bis zu 8 Cams und muss jährlich erneuert werden. Alles läuft sehr rund und stabil. Da es aber eher für Unternehmen gedacht ist, ist kaum eine Anbindung ans Smart Home möglich, alles ist ein sehr geschlossenes System. Milestone bietet auch ein dewarping Plugin an, Sentry 360. Allerdings ist dieses nur für die teuren Enterprise, Expert und Corporate Versionen verfügbar.

Die iOS App ist sehr flink unterwegs, ist optisch die ansprechenste und bietet eine Bild in Bild Funktion an. So sieht man auf dem kompletten Bildschirm den letzten Bewegungsalarm und rechts oben läuft ein kleines Livebild mit, ein sehr praktisches Feature. Alle XProtect Produkte sind nur Windows verfügbar.

XProtect Essential ist ein sehr ausgereiftes Produkts, alles was es macht, macht es gut, leider lässt es sich nicht gut in andere Systeme integrieren. Aber für Unternehmen oder auch Privatanwender, wo kein Schnickschnack benötigt wird, sehr empfehlenswert.

Blue Iris ist die am weitesten verbreitete Software in Foren und das nicht zu unrecht. Für 60€ kriegt man eine Lizenz für 64 Streams!, keine Abo, keine ablaufende Lizenz, kein Schwachsinn.

Die mit Abstand aktivste Entwicklung von allen. Ständig werden neue Funktionen kostenlos hinzugefügt und Bugs schnell gepatched.

Vom Start der App in den Livestream einer Cam dauert es max. 3sec, Spitzenzeit.

Einzelne Funktionen können mithilfe von HTTP Triggern bedient werden -> perfekte Einbindung in das Smart Home. Es gibt auch ein Anbindung für Alexa, Geofencing, unzählige Einstellmöglichkeiten und Profile.

Der Email Support ist schnell und hilfreich. Eine dewarping Funktion ist für aufgenommene 360° Streams verfügbar, aber noch nicht für die Liveansicht.

Verschmerzbare Nachteile sind: Windows only, eine relativ hohe CPU Auslastung und ein in die Jahre gekommenes Design.

Mit Abstand die beste VMS für mich persönlich und das Preis/Leistungsverhältnis ist traumhaft.

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Fazit:

Für mich ist Blue Iris mit großem Abstand die zurzeit beste VMS für meinen Einsatzzweck. Wie ich Blue Iris konfiguriert habe im perfekten Zusammenspiel mit Home Assistant habe ich in diesem Artikel erläutert: Blue Iris.